Wenn Verstehen nicht reicht

Vor einigen Jahren saß ich an einem Abend in einem Kreis von Menschen und hörte mir selbst zu, wie ich über meine Kindheit sprach. Ich hatte einen Teil dieser Geschichte schon oft erzählt. Sie war mir vertraut, sortiert und erklärbar. Doch an diesem Abend fiel mir etwas auf, das ich bis dahin übersehen hatte: Während ich sprach, zogen sich meine Schultern hoch, mein Atem wurde flach, und irgendwo im Bauch saß etwas fest, das mein Kopf längst eingeordnet hatte. 

Ich war damals schon in Therapie und kannte die Begriffe gut. Ich wusste, woher meine Muster kamen. Ich konnte sie benennen und erklären. Was mir fehlte, war das Spüren und damit-da-sein.

Ein Jahr lang war ich Teil dieses Inneren-Kind-Kreises. Wir schauten regelmäßig auf unsere Biografien und arbeiteten viel auf. Hörten uns zu. Hielten uns. Lachten und weinten und tanzten zusammen. Rückblickend war dieses Jahr eine total wichtige Phasen meines eigenen Weges.

Was der Kreis anders machte

Zeit statt Stunden. Muster zeigen sich selten in einer einzelnen Sitzung. Über Monate hinweg wurde sichtbar, wo sich meine Geschichte wiederholt, in welchen Situationen ich mich zurücknehme und welche Sätze ich immer wieder sage oder höre. Diese Wiederholung hat etwas Ordnendes.

Echter Kontakt. Die wirksamsten Momente waren die, in denen aus Verstehen Spüren wurde. Ein Atemzug, der plötzlich tiefer ging. Ein Gefühl, das ich nicht mehr wegerklären konnte. Kontakt, der nicht nur im Kopf stattfand, sondern im Raum, im Körper und in der Beziehung.

Das Gelernte im Alltag. Das Wichtigste passierte allerdings nicht im Kreis, sondern danach, zu Hause. Wenn ich in einer Diskussion merkte, dass ich mich zusammenzog, konnte ich innehalten und meinen Körper fragen, was er gerade braucht. Nicht immer gelang es. Aber es wurde immer sicherer, ich zu sein.

Was meine Therapie mir gab

Ich möchte auch deutlich sagen: Meine Therapie in den Jahren davor war nicht vergeblich. Sie hat mir Sprache, Sicherheit und Orientierung gegeben. Ohne diesen Boden hätte ich im Kreis vermutlich nicht so tief gehen können. Der Kreis hat etwas ergänzt: Gemeinsame Zeit, ein Fokus-Thema, Wiederholung und das Gefühl, mit der eigenen Geschichte nicht allein zu sein.

Heute arbeite ich selbst als Heilpraktikerin und Coachin, und ich sehe beides als Teil desselben Weges. Die therapeutische Arbeit öffnet Türen. Gemeinsame Zeit und echter Kontakt helfen, hindurchzugehen.

Was ich daraus für meine Arbeit gelernt habe

Diese Erfahrung prägt auch, wie ich heute Menschen in meiner Praxis begleite. Mir ist wichtig, dass Veränderung Zeit braucht. Dass Körper und Biografie zusammengehören und dass ein Prozess nicht im Termin endet. Ich weiß, wie wichtig Kontakt und Beziehung für den Heilungsweg sind. Wie heilsam es ist, wenn da ein Gegenüber ist im Raum ist, wo man einfach sein darf: Mit Schatten, die keine moralische Bewertung erfahren. Mit Licht, das nicht Neid oder Angst hervorruft.

In diesem Sinne bin ich dankbar, für meine Klient*innen, die mir vertrauen. Und mit denen ich immer wieder Räume schaffe, in denen genau das sein darf, ob im Einzelcoaching, in meinen Gruppen oder bei Aufstellungstagen.

Ein kurzer Impuls für dich

Nimm dir einen Moment und frage dich:

  • Wann habe ich zuletzt etwas nicht nur verstanden, sondern wirklich gespürt?

  • Wo merke ich in meinem Körper, dass ich mich gerade zurücknehme?

  • Welcher Satz aus meiner Kindheit begleitet mich noch heute?

Schreib die Antworten ohne Bewertung auf. Oft zeigt sich darin schon mehr, als wir erwarten.

Wenn du spürst, dass Verstehen allein nicht mehr reicht und du wieder echten Kontakt zu dir suchst, begleite ich dich gern. Mehr Infos dazu findest du auf der Coaching-Seite. Oder buche dir ein kostenloses Kennenlerngespräch, in dem wir gemeinsam schauen, welcher Weg zu dir passt.

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